Vorwort

Firmenjubiläen können sehr würdig sein, mit stolz geschwellter Brust zelebriert, erfolgsverwöhnt aber festlich steif. Das muss nicht so sein, das kann im Gegenteil ganz unkonventionell, fröhlich und Neugier weckend ablaufen. Das ist so, wenn zur Geschäftsführung die Liebe zur Kunst, die Freundschaft mit Künstlern und die erklärte Absicht, diesen eine Plattform zu bieten, treten. So geschehen im Cafe Hench. ... Da es damals - ganz im Gegensatz zu heute - in Aschaffenburg keine Galerien, keine Ausstellungsmöglichkeiten für die hiesigen Künstler gab, öffnete Sieglinde Hench diesen ihr Cafe, womit sie dem gleichsam den Nebenzweck einer Galerie gab. Den Anfang machte im November 1964 die mit der Familie Hench seit langem befreundete Elisabeth Dering. Sie hatte sozusagen versuchsweise schon ein paar Jahre früher ausgestellt. Ich meine mich zu erinnern, dass in dieser Ausstellung das kleine Ölbild zu sehen war, das zur größeren Bekanntheit von Malerin und Galerie beigetragen hat und das von den Museen der Stadt angekauft wurde: "Firmlinge im Cafe Hench". In der Folgezeit kamen die Künstler aus der Stadt und von fern, Bekannte und Unbekannte, Freunde und von Freunden Empfohlene. Erwin Rager und Lubodar Mossora. Sina Hofmann und ihre Mutter Else-Berta Fischer-Ginsburg, Bernhard Vogler und Boris Fröhlich, Helmut J. Gehrig und die Gruppe um Toni Repp, der ich seinerzeit den Namen "Dienstagsmaler" gab.
Bild links: Elisabeth Dering, "Siglinde Hench"
Siglinde Hench, Firmlinge
Etwa 20 Jahre lang folgte Ausstellung auf Ausstellung. Und sie wurden rezensiert bis in den Redaktionen die Meinung aufkam, die gewerbliche Absicht überwiege die küstlerische. Daraufhin beendete Sieglinde Hench ihr Mäzenatentum, das erst vor rund zehn Jahren von Sohn Bernhard wieder reaktiviert wurde. ... Hier ging nicht die Kunst nach Brot sondern das Brot zur Kunst. Und das von der ersten Ausstellung an, zu der die kleine Dering'sche Skizze der "Firmlinge" die Erinnerung zurückführt.
Und man erkennt, dass hier das von Ernst Vollmer geschriebene mittelalterliche Wort "Schri kunst schri und klag dich ser din begert iecz niemen mer" für diese Sammlung nicht zutrifft. Hier braucht die Kunst nicht zu schreien. Hier darf sie leben.

Helmuth Dippner
Zur Ausstellung von Siglinde Hench zum Firmenjubiläum
Bild oben: Elisabeth Dering, "Firmlinge im Cafe Hench"